Ein letzter Gruß

Liebe Freunde,

ich schreibe Euch heute ein letztes Mal, da mein lieber Schatz am Montag, den 14. Juli verstorben ist. Wie ich Euch schon am 15. Juni erzählt habe, hauten ihn die Nebenwirkungen der Interferon- Therapie regelrecht um. Trotzdem war er immer wieder so motiviert, dass er auch den Rest der vor ihm liegenden Zeit durchhalten wollte. Dafür habe ich ihn bewundert!

Leider war er die letzte Zeit sehr, sehr schwach geworden, was wir alles auf die Nebenwirkungen der Therapie geschoben haben. Er verbrachte daher seine Zeit gern auf seiner Sonnenliege im Garten oder auf der Terrasse, die er uns durch seinen \"grünen Daumen\" so liebevoll gestaltet hatte. Am 09. Juli sollte dann in der MHH geklärt werden, ob die Therapie weitergeführt werden soll, da sich seine Blutwerte sehr verschlechtert hatten, und er ja von Anfang an als \"Risikopatient\" galt.

Am Montag, den 07.Juli habe ich abends den Notarzt angerufen, da er sehr, sehr starkes Nasenbluten hatte, und wir uns sorgten. Als die zwei Männer in das Zimmer kamen, wo er lag, hat der eine nach mehrmaligen Versuchen einen Blutdruck von \"unter 80\" zu \"unter 60\" gemessen. Was das für eine Aussage ist, kann ich nicht sagen. WIR haben die Messung immer genauer bestimmt! Der andere hat seine Hände nicht aus den Hosentaschen genommen, und mir gesagt, dass man bei Nasenbluten keinen Notarzt ruft! Ich klärte die beiden über seine Vorgeschichte und Erkrankung auf! Teilte ihnen mit, dass er Transplantationspatient ist, und bei ihm JEDER Tropfen Blut kostbar ist. Das Nasenbluten hörte natürlich auf, und die beiden zogen wieder ab. Mein Schatz blieb bei mir zu Hause, weil ja alles in Ordnung war!

Der Dienstag verlief dann für uns ganz normal. Ich traf sämtliche Vorbereitungen für unsere Fahrt nach Hannover. Packte seinen Rollator in den Kofferraum, bereitete abends unser Lunchpaket vor etc. Am 09. Juli hatten wir dann unsere große Fahrt nach Hannover. Er mobilisierte sämtliche Kräfte, und marschierte mit seinem \"Auto\" in die MHH. Dort war die Oberärztin doch sehr überrascht den Patienten in diesem geschwächten Zustand zu sehen. Sie hat seine Blutwerte vom Juni angesehen, und wollte dem behandelnden Arzt mitteilen, dass die Interferon- Therapie doch abgebrochen werden muss. Er hatte aktuell einen Meldscore von 21,4 und in seiner Blutgruppe waren ca. 5-6 Leute mit einem Meldscore von 25-26 vor ihm. Schatzi´s Transplantation, und das \"neue Leben\" waren mit einem Mal so greifbar nah, obwohl wir auch vor dieser Operation eine Höllenangst und mächtigen Respekt hatten.

Als wir dann wieder zu Hause ankamen, klingelte das Telefon. Die Ärztin aus der MHH teilte uns mit, dass er den nächsten Tag sofort ins Krankenhaus sollte um rote Blutkörperchen und Humanalbumin zu erhalten. Ich packte ihm sein Köfferchen, da er sicherlich 1-2 Nächte im Krankenhaus bleiben muss. Abends brach er mir dann zusammen, und ich rief erneut den Notarzt, da ich ihn nicht sitzend ins Krankenhaus bringen konnte. Man stellte einen Blutdruck von 60/30 fest! Er hatte also eine akute Blutung, was immer seine größte Angst und Sorge war. Man brachte ihn ins Krankenhaus Neu- Mariahilf, wo er auch schon erwartet wurde, und unbedingt hin wollte.

Am Donnerstag verabschiedete ich mich so gegen 13 Uhr von ihm, und wollte dann um 15 Uhr wieder bei ihm sein. Wir scherzten, und verabschiedeten uns wie immer \"Küsschen, Tschüss mein Schatz, bis später\". Als ich dann nach der Mittagspause zu ihm kam, lag er bereits im Koma. Er hatte wieder Blutungen, einen Herz- Kreislaufstillstand, einen kleinen Herzinfarkt,bekam eine Pneumonie durch Erbrochenes, und musste wiederbelebt werden. Trotz Absetzen der Medikamente wachte er aus dem Koma nicht mehr auf, und fiel dann ins Leberkoma. Die Leber konnte ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen, das durch die Blutung entstandene Eiweiß konnte nicht mehr verarbeitet werden, und der Ammoniak- Spiegel stieg und stieg...

Dieses hervorragende Ärzte- und Pflegeteam der Intensivstation des Krankenhauses Neu- Mariahilf in Göttingen hat alles menschenmögliche für meinen geliebten Schatz getan. Die medizinische, sowie menschliche und liebevolle Pflege, die er dort erhalten hat, werde ich nie vergessen, und bin so unsagbar dankbar dafür. Leider hat er es trotzdem nicht geschafft. Wir haben gemeinsam gehofft, gekämpft und doch verloren. Aber die Hoffnung haben wir nie augegeben.

Er fehlt mir wahnsinnig, da uns diese schwere Krankheit auch so nah gebracht hat, wie es in vielen anderen Beziehungen nie möglich ist. Wir haben auf vieles verzichtet, aber wir waren trotzdem sehr, sehr glücklich und haben nichts vermisst. Ich bin dankbar für die Zeit, die ich mit meinem geliebten Schatz verbringen durfte, und unsagbar traurig, dass er es nicht mehr geschafft hat,....aber er hat die Hoffnung nie aufgegeben, immer an unser Ziel und den Erfolg der Transplantation gedacht.

Bitte gebt die Hoffnung nie auf, auch wenn es manchmal schwer erscheint. Es ist immer jemand da, der Euch liebt, braucht und sehr vermissen würde.

Ich bin so traurig

Angela

Persönliche Angaben: Armin *25.05.57 +14.07.08

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