Jeder Tag ist ein geschenkter Tag! Das sollte man sich immer wieder klar machen!
Ich wurde das 2. Mal am 12.01.1991 transplantiert. Niere. Mein erstes Transplantat erhielt ich mit 13 Jahren. Und ich habe die ersten Monate nur in der Klinik verbracht. Hab alles durch. Punktionen, Biopsien, Patch-Op, Aneurysma..... die ganze Bandbreite. Aber das kennen ja viele von euch. Die erste Niere lief immerhin 9 Jahre. Dann war ich wieder kurz vor der Dialyse. Hab mit speziellen Diäten eisern versucht dieser Maschine noch lang fern zu bleiben. Aber es war nur noch eine Frage der Zeit. Ich war während der ganzen Zeit immer voll berufstätig. Habe normal gelebt. Denn ich hasse es, krank zu sein! Als Kind wird man darauf gedrillt, auf die Signale des Körpers zu achten. Genug zu trinken, die Medikamente pünktlich und regelmäßig zu nehmen usw. Es ist vermutlich einfacher da hinein zu wachsen, als als Erwachsener aus dem Leben gerissen zu werden. Für mich war das normal. Nichts Besonderes. Anyway..... ich war, wie gesagt, kurz vor der Dialyse, als das Schrecklichste passierte, was je passieren konnte! Am 10.01.1991 ist mein „kleiner“ Bruder im Alter von 20 Jahren tödlich verunglückt. Motorrad....... Nun, mein Vater bestand darauf, dass ich eine seiner Nieren bekomme. Ich höre ihn heute noch: „Was nützen mir zwei tote Kinder?“ Ich war so betäubt durch die Situation, dass ich mich an die Hand hab nehmen und „führen“ lassen. Ich weiß, mein Bruder hätte seine Organe gespendet. Hat ja immer geprahlt: „Birgit, ich bin sooo fit, von mir können die alles nehmen!“ Dann kam das übliche. Untersuchungen, Untersuchungen, Untersuchungen. Irgendwann war klar: Full-House-Niere! Es passt 98 %! Ich habe mich transplantieren lassen! Bin dem Wunsch meines Vaters gefolgt! Mir war zu dem Zeitpunkt eh alles egal. Pah, von mir aus näht mir nen dritten Fuß an.... Lasst mich nur schlafen, vergessen! Die Niere lief SOFORT! Krea ist heute noch so zwischen 0,9 und 1,5. Blutdruck normal, nur Sandimmun.... sonst nix! Gesund!
Die ersten Monate war ich nicht in der Lage meinen Körper zu berühren. Nicht in der Lage zu lachen. Ich lebe, und mein Bruder ist tot!!! Ich war überzeugt, dass, wenn mich einer seiner Freunde sieht, er mir ins Gesicht schlägt!! Mich anspuckt! Hat er aber nicht..... er hat mich in den Arm genommen und geweint! Von dem Tag an (natürlich auch Psychotherapie) habe ich wieder langsam angefangen zu leben. Heute bin ich meinem Bruder dankbar! Ich kann nicht in Worte fassen, was ich wirklich fühle! Er hat mir mein Leben geschenkt.......
Heute bin ich fast 40 Jahre, arbeite im Büro und nebenbei geh ich kellnern. Und ich bin gut :-) ! Top fit.... kann rennen ohne Ende. Keiner würde je denken, dass ich transplantiert bin. Aber ich erzähle es gern.... mit Stolz! Keine Ahnung, wie lang mein Glück noch dauert. Aber jeder Tag ist schön! Sicher auch mal grau... bin ja ein Mensch. Aber so richtig schwarz.... nein. Nehmt jeden Tag als Geschenk! Denn das ist es! Allen viel Glück und viel Kraft für all das, was noch vor Euch liegt!





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