Lebertransplantation am 21.01.07. - Durchgangssyndrom

Als ich nach der schweren Op wach wurde, wobei ich nicht weiß, ob meine ersten Halluzinationen während der Op waren oder danach,sah ich sofort eine Schwester, die ich dann gefragt habe, wie lange ich hier schon liege. Sie sagte, meine Op wäre jetzt 6 Stunden her, sofort hatte ich den Gedanken: dann muss ich 6 Tage dagegen arbeiten, damit sie mich nicht kriegen (ich wusste noch nicht einmal, wer).Was ich nun schreibe, ist wirklich geschehen, nur weiß ich leider die Reihenfolge nicht mehr. Es folgten Bilder des Grauens.
 

Ich fühlte mich mit den Computern, die im Zimmer standen verbunden, d.h. ich bin in jedem Schanier gewesen, habe mich mit jeder Schraube gedreht, bin von oben bis unten regelrecht durch den Computer gegangen, ich war einst mit ihn....Schrecklich! Ich sah mich in einen Sarg sitzen, irgendwo auf einer Erhöhung, der Arzt und die Schwester versuchten, den Tod von mir fern zu halten, sie hatten Kerzen in der Hand und standen vor einer Art Altar, sie murmelten irgendwas, was ich aber nicht verstand. Ich hatte nur den Geschmack von Kohle und Erde in meinem Mund und versuchte den ständig auszuspucken.Ich trug eine Nonnentracht. Dann sah ich meinen Schwiegersohn mit irgendeinem Freund auf dem Bahnsteig stehen, kurze Hose an und ein Aktenkoffer in der Hand, auf die Frage, wo er hin wollte, antwortete er, er müsse nach Hessen zu mir fahren und den Tod von mir fern halten. Ich war schon verwundert. Irgendwann sah ich mich auf dem Turm eines Kirchendachs aber von innen, ich sah eine Menge Leute, sie waren so klein und nichtig, irgendwas war da, ich spürte es, kann aber jetzt nicht mehr 100% sagen, war es echt? Jemand sagte zu mir, ich soll den richtigen Weg gehen, er kann sich nicht um alles kümmern, er hätte noch soviel Arbeit. Ich habe nach meinem Vater gesucht, konnte ihn aber nirgendwo finden. Dann stand ich vor einer großen Tür, eine Menschenmasse stand davor, irgendjemand schrie, ich kann noch nicht rein, also durch die Tür in den Tod, denn für mich geht ein anderer, den ich hier aber nicht aufschreiben will für den Fall, dass die betreffende Person aus meinem Umfeld dies auch liest. (in den Tod gehen)

Heute bin ich noch froh, dass es nicht passiert ist. Ich sah das Böse, wie es versuchte, die Welt zu beherrschen, die Menschheit sollte nochmal von vorne anfangen, ich rief immer wieder nach Felicia (mein Enkelkind, 1 ½ Jahre) sie werde das schon machen, wenn sie alt genug ist, dank der heutigen Technik brauchen wir keine 2000 Jahre mehr dafür. Was die Menschheit machen sollte, will ich hier nicht schreiben, das ist zu hart. Irgendwann verlangte ich nach einem Klinikpfarrer, es kam eine sehr nette und liebe Frau, da wusste ich noch nicht, dass sie mal eine große Rolle für mich spielen sollte. Ich muss dazu sagen, dass ich immer zwischendurch zu mir kam und genau wusste, das ich Hallus hatte. Ich konnte aber nicht dagegen angehen. Ich verlangte einen Psychiater zu sprechen, er sollte mir die Augenlider öffnen und die Computerchips entfernen, gleichzeitig habe ich den Arzt gesagt, dass ich nur Blödsinn rede, dass ich schon weiß, dass das nicht geht, aber es ging auch nicht weg. Ich glaube, wenn ich mal richtig hätte schlafen können, wären die Bilder nicht in meinem Kopf erstanden. Ich sah mich als eine riesengroße eingerollte Wurst mit Henkel, ich wurde getragen und irgendjemand hielt mir einen sinnlosen, stinklangweiligen Vortrag über nichts, es war so langweilig. Meine Gedanken kreisten ständig um die Frage, ob mein Leben jetzt so geendet hat..Mann, was war das langweilig! Es kam mir vor, als trüge man mich schon monatelang, ich hätte kotzen können vor Wut, weil das nicht enden wollte..

Zwischendurch kam immer mal die Frau Sonntag (die Pfarrerin) und fragte, wie es mir geht. Sie war ein Lichtblick in meiner Situation, wenn sie da war, ging es mir so gut und ich wusste, dass nur sie mich heilen kann. Ich habe die Schwestern unwissend genervt und geärgert, ich habe mich selbstverständlich nachher entschuldigt, aber wenn ich heute noch darüber nachdenke, tut es mir immer noch leid. Ich bekam ständig eine Sauerstoffmaske aufs Gesicht gedrückt und die nahm alle meine Sinne. Im Zimmer standen 2 Flaschen mit Sauerstoff, ich dachte, das wären kleine Menschen, die mich beobachten. Wenn keine Schwester im Zimmer war, habe ich mit ihnen gesprochen, sie sollten mich losbinden. Einmal hatte ich das Gefühl, nachdem ich wieder eine Maske auf hatte, dass sie mich zur Schau stellen, und das ganze Krankenhaus in mein Zimmer sieht und mich beobachtet, wie ich so nach und nach mein Gesicht verlier. Ich weiß nicht, wieviel Zeit in der Zwischenzeit vergangen ist, ich sah jetzt zum erstenmal mein Mann und Jennifer, ich habe mich so gefreut, nun hatte ich die Gewissheit, nicht gefangen zu sein und noch Kontakt zur Außenwelt zu haben. Nur habe ich leider nie verstanden, was sie von mir wollten. Jennifer ist meine jüngste Tochter. Sie sahen die kleinen Hunde und Kinder nicht, die ich gesehen habe, sie liefen auf der Station rum unter den Tischen und Stühlen, ich verstand es nicht. Endlich sah ich auch Nicole, meine Große, mit den Kindern durch die Wand kommen, sie blieb stecken, ich bat die Schwestern ihr zu helfen, sie wollten aber nicht, ich konnte doch nicht aufstehen. Ich habe sie dann ganz laut gerufen. Ich hörte, wie Jennifer hinter meinem Bett stand und immer "Mama, Mama" rief, ich sagte, sie soll sich nicht hinter meinem Bett verstecken, sondern raus kommen, aber auch hier sagten die Schwestern, sie ist nicht da. Zwischendurch sah ich mich immer wieder in einem Sarg liegen oder sitzen mit der Nonnentracht. Dann lernte ich ein Herrn Kellermann kennen, er war schon 100 mal tot, er wollte meinem Mann helfen, den Tod aus mir zu holen, ich war nur noch eine Hülle, er und mein Mann tanzten mit noch einigen Nachbarn um mein Bett herum, sogar Schwestern waren mit dabei, obwohl es kein Krankenzimmer mehr war. Ich lag in der Mitte des Raumes und versuchte, auch ein paar Beschwörungsformeln zu brüllen, mir war so heiß. Heute weiß ich, dass es das Fieber von der Lungenentzündung war. Dann kam Frau Sonntag, ich sagte ihr, dass ich so gern mal schlafen möchte, aber selbst das Autogene Training nicht hilft, sofort stand sie auf legte ihre Hand auf meinem Kopf und begann Formeln des AT zu sprechen, und dann konnte ich echt für ca.10 Min die Augen schließen und war danach erholt. Aber leider waren die Hallus noch nicht weg. Ich wurde als Schraube in einer Kiste gesteckt und vergraben, dort lag ich dann und vergammelte so vor mich hin. Dann war mir mit einmal wieder ganz anders, mein Körper fühlte sich gespannt an, als wäre ich von rechts nach links gedreht worden und die Nähte wurden von außen genäht, ich spührte die Naht. Alles war so eng an mir, aber ich glaube, dass ist mir schon am Anfang der Hallus passiert. Plötzlich klangen die Stimmen so anders, ich war ein Baby. Ich hörte wie Nicole zu irgendeinem Kind sagte "jetzt holen wir die Evelyn und gehen mit ihr spazieren. Das Wetter ist heute so schön, schau sie ist ja schon angezogen", ich wollte was sagen, aber es kam nur Babygewinsel raus, ich bekam Panik. Jetzt war wieder der Herr Kellermann da und wieder versuchten sie, mich zurück zuholen, Herr Kellermann öffnete kleine Fensterchen, die von außen am Gemäuer der Kirche waren, sahen aus wie kleine Laternen, ich fragte Nicole, ob sie sowas schon mal gesehen hat, und sie möchte doch mal bei ihr zu Hause nachsehen, ob das in der Kirche zu sehen ist. Ich hörte Glockenläuten, ein Zeichen dafür, dass einer heimkommt, diesmal war ich es. So nach und nach war ich jetzt öfters richtig bei mir und sie stellten mir ein Fernseher aufs Zimmer. Alles was ich dort sah, sah schrecklich aus.Die Gesichter der Moderatoren verzerrten sich, so als wenn man in ein Spiegelbild im Wasser sieht und wenn man das Wasser bewegt oder Wellen macht, verläuft das Gesicht. Ich habe den Arzt gefragt, ob er weiß, was das ist. Ich dachte, das wäre ein geheimes Forschungsprogramm, man nannte es Flashmob. Aber keiner konnte mir sagen, was das ist. Ich habe auch Nicole am Telefon gefragt, aber sie kannte es auch nicht. Jede Nacht sah ich und hörte ich wie die Ärzte sagten „er oder sie hat es nicht geschafft" ich habe die Ärzte gefragt, warum hier die Menschen wie die Fliegen sterben, sie sagten, das stimme nicht.

Nun hörte ich, wie Nicole sich in ihrem Heimatdorf mit der Pfarrerin unterhalten hatte, ich konnte jedes Wort verstehen, aber sie haben sich nur über das Wetter unterhalten, es war ein schöner Tag, selbst ich habe es gefühlt (auf dem Weg der Besserung). Ich rief Nicole, sie solle doch zu mir kommen, aber sie kam nicht. Irgendwann habe ich mir mal ein oder zwei Schläuche gezogen, ist mir noch ein wenig bewusst. Warum ich dann noch meinen Bruder hörte, weiß ich auch nicht, er hat zu der Schwester gesagt, er würde mich nicht verstehen, es wäre doch alles gut gegangen, ihm geht es doch auch gut. Mein jüngster Bruder wollte mir ein Teil seiner Leber spenden, was aber nicht ging. Bitte beim Lesen nicht vergessen, dass ich ständig die Kinder und meinen Mann gesehen habe, wie sie um mein Bett liefen.

Aber dann kam endlich mein Wunder. Ich wusste, wenn heute die Frau Sonntag kommt, geht es mir besser, und so war es auch, sie kam rein und ich wurde klarer. Ich glaube, 2 Tage später kam ich auch dann auf die normale Station, I\'m so Happy. Dort hatte ich noch ein oder zwei Hallus, aber dann ging es bergauf. Ich sah, wie ein kleiner Transporter verunglückte mit jeder Menge Kinder drin, ich wollte aufstehen und der Schwester helfen. Gott sei Dank kam sie noch rechtzeitig ins Zimmer, sonst hätte ich wieder an allen Schläuche gerissen. Ich glaube, das war erst einmal alles Grobe, sicherlich wird mir später nochmehr einfallen.

Übrigens habe ich immer noch Kontakt zu Frau Sonntag, wir sind heute auf Du und Du,sie heißt Barbara. Für mich war sie in der Zeit wo ich auf der ITS lag, ein Engel. Ich freu mich sie kennengelernt zu haben.

Persönliche Angaben: Bin Hausfrau, 50 Jahre und mir geht es dank der Transplant. wieder besser. Ich habe meine Leber durch jahrelange Medikamenteneinnahme (Beruhigungstabletten) geschädigt 

 

 

Erzählen Sie uns Ihre Geschichte
    ... und helfen Sie damit anderen Betroffenen

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.