Wann hat man’s (oder Frau) im Urin?
Erst einmal vorneweg: ich finde es ganz toll, dass es dieses Forum gibt und ich nun darauf gestoßen bin, denn oft glaubt man sich in seiner Situation sehr allein.
Ich möchte mich vorstellen, bin 57 Jahre alt und seit 1996 auffällig niereninsuffizient. Bereits in jungen Jahren bestand eine (vererbte) Mikrohämaturie sowie ein essentieller benigner (vererbter) Bluthochdruck. Da ich neben dem Genannten auch viele positive Dinge von meinen Eltern genetisch mitbekommen habe, soll es sich hierbei nicht um Schuldzuweisungen, sondern lediglich um Nennung von einigen Dispositionen handeln. Den meisten von uns ist es eventuell ähnlich ergangen. Das Problem bestand für mich nur darin, dass ich in der Mitte des Lebens zu wenig auf meinen Körper geachtet habe und sich irgendwann – nach einem jahrzehntelangen Hin und Her von Nieren- und Harnwegsentzündungen, verbunden mit Bluthochdruck und Nierensteinen/Koliken – wieder mein Körper zu Wort gemeldet hat und mir eindeutig meine „Sollbruchstellen" aufgezeigt hat und das war eben anlässlich einer Zufallsdiagnose 1996. Danach hatte ich die Diagnose glomuläre Nephritis noch einige Jahre unbeachtet schleifen lassen, bis sich mein Körper (und das was man schlechthin „Geist" nennt) 2000 mit einem Burnout in Verbindung mit einem multimorbiden Krankheitsgeschehen (Sammelsurium von verschiedenen Krankheiten) wieder zu Wort meldete. – nun wieder das andere Extrem!) weitere 9 Jahre ohne Dialyse überstanden; ich will darauf unter dieser Überschrift jedoch nicht näher eingehen. Im vergangenen Winter 08/09 kam es dann zum Crash, denn meine Blutwerte, insbesondere die Elektrolyte Natrium, Kalium, Phosphate, Kalzium etc. veränderten sich auffällig zum Negativen, abgesehen vom Kreatinin (5 bis 6mg/dl entspr. 445 bis 531umol/l) und hohen Harnstoffwerten. Zum Glück signalisierte mir meine Frau bereits seit einigen Jahren, dass sie mir eine Niere spenden würde, sofern möglich. „unter den Arm", fuhr mit mir ins „Virchow" und am 21.07. fand dann die Transplantation statt. Ich möchte an dieser Stelle auf spätere stationäre Probleme wie Durchgangssyndrom (Verwirrtheitszustände, Halluzinationen), Bakterien-Infektion, Biopsie, Borderline-Abstoßung etc. nicht näher eingehen, denn diese und weitere Probleme waren größtenteils dem schlechten Zustand geschuldet, in dem ich mich in den Monaten vor der OP bereits befand. Vielmehr möchte ich an dieser Stelle die wohltuende und fürsorgliche vor- und nachoperative Betreuung durch den Chirurgen Herrn Oberarzt Dr. Pascher sowie stationär durch Frau Oberärztin Dr. Krüger und alle in der Station 45 tätigen Mitarbeiter/innen hervorheben. Ganz besonders ausdrücklich möchte ich an dieser Stelle meiner Ehefrau danken, denn ohne sie wäre der „Wahnsinn Transplantation" sobald für mich nicht möglich gewesen!– diese Überschrift umfasst ein weites Feld, von dem schon so Vieles in diesem Forum zu Lesen steht; was mich jedoch am meisten zur Zeit bewegt, sind zwei Dinge. Einerseits bin ich durch die ständige Selbstbeobachtung (die mir übrigens jetzt schon mächtig auf den „Keks" geht) permanent durch Zweifel verunsichert und andererseits möchte ich noch einmal ausdrücklich erwähnen, dass ich mich glücklich schätze, dass es Menschen gibt, die solange schon zu mir halten, obwohl man eigentlich in gewisser Weise sich selbst schon nicht mehr ertragen kann. Ich ziehe den Hut (obwohl ich nur Mützen trage) vor all jenen Menschen, die so oder in ähnlicher Weise ihren Partnern bzw. Eltern, Kindern usw. zur Seite stehen!– was ist jedoch normal und ab wann besteht begründeter Anlass zur Sorge? Oder machen wir uns zu oft verrückt oder sind wir (bzw. ich) eventuell schon „verrückt"? Ich möchte schließlich auch nicht in Abrede stellen, dass es vermutlich sinnvoll wäre, sich anderweitig zu beschäftigen, anstatt ständig in sich hinein zu horchen!„verkörpern" – was auch sonst?
Nach Berentung und Psychotherapie hatte ich dann mit strenger Diät und strenger Lebensweise (insgesamt eine Form der Selbstbeschränkung bzw. Askese
Anfang April 2009 wurden wir in der Transplantationsambulanz der Charité Virchow (Frau Prof. Dr. Reinke) sehr freundlich aufgenommen, diverse Voruntersuchungen (besonders bei meiner Frau) fanden statt. Wir sind zwar seit 30 Jahren miteinander verheiratet, erfuhren nun aber dass wir glücklicherweise sogar relativ gewebekompatibel sind; zuvor wussten wir (als ehem. Blutspender) nur von der gleichen Blutgruppe. Wegen eines seit langem bestehenden Parathormonüberschusses wurde bei mir noch im Mai 2009 eine sog. Subtotale Parathyreoidektomie fällig (nahezu vollständige Entfernung der Nebenschilddrüsen). Letztendlich hatte ich im Juni Kreatininwerte um 10mg/dl (ca. 900umol/l) und ich sehnte alles herbei was mir Besserung verschaffen könnte; am 20. Juli war es dann soweit, meine Frau nahm mich
Nun endlich zur Überschrift
Was die tägliche Selbstbeobachtung anbelangt, kann ich nur sagen, dass ich jetzt zwar eine schwere Ohrinfektion (nach einer Erkältungswoche) habe und Antibiotika dagegen einnehmen muss, jedoch belastet mich auch heute schon wieder, dass mein Harnfluss wieder einmal so gar nicht recht in Gang zu kommen scheint. Gegen 15.00 Uhr waren es erst rund 500ml; beruhigen kann ich mich nur, indem ich auf eine Tabelle gucke und sehe, dass es z.B. am 07.10.09 auch schon einmal so kläglich war. In diesem Zusammenhang hatte ich mir einmal die geringe Mühe gemacht und die Harnmenge für 15 Tage über jeweils 24 Stunden gemessen. Dabei kam für mich (ohne den Anspruch auf Allgemeingültigkeit) heraus, dass von morgens bis mittags der Harn meist nur spärlich fließt, bis ca. 15.00 nimmt der Harnfluss (Harnmenge/Stunde) dann zu, um sich bis zum Abend und über Nacht auf fast das Doppelte zu steigern. Am frühen Morgen nimmt der Harnfluss (abgesehen von nächtlichen Toilettengängen und der in der Blase angesammelten Menge) wieder ab und ist vormittags wieder relativ schwach wie tags zuvor, und das mit Schwankungen von bis zu einem Liter (!), wenn man die Harnmengen zu jeweils gleichen Zeitpunkten betrachtet. Warum das so ist, wird sicherlich ein Experte erklären können. Bei unserem Wasserhaushalt spielen eventuell komplexe Regelvorgänge von Hormonen und Elektrolyten eine wichtige Rolle, wer weiß…
Die gemessene Harnmenge ist dabei nur ein kleiner Teil der Selbstbeobachtung; hinzukommt, dass man sich dann noch mit dem Körpergewicht, der Körpertemperatur, dem Blutdruck, dem Puls, der Trinkmenge u.ä. intensiv beschäftigen (oder auch verrückt machen kann). Es ist selbstverständlich enorm wichtig, dass im Fall von extremen Abweichungen (von sonst normalen oder üblichen Werten) die Alarmglocken schrillen bzw. Frau/Mann hellhörig wird
Mit den von mir geschilderten Erfahrungen möchte ich jedoch niemandem zu nahe getreten sein, denn jeder von uns könnte alles anders erleben, und ich erlaube mir, feststellen zu dürfen, dass all das was wir erleben, nicht DIE Wirklichkeit schlechthin ist, sondern, dass sich in unserem Erleben bzw. in der von uns erlebten sog. Wirklichkeit scheinbar nur unsere Eindrücke auf der Grundlage unserer Emotionen.
Persönliche Angaben: verheiratet, 2 Kinder, pensioniert





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